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Gut zu Fuß – Krankheitsbild Knick-Senk-Fuß

Vorkommen des Knick-Senk-Fußes

„Ein schöner Fuß ist ein großes Geschenk der Natur.“ (J. W. von Goethe)

Gut zu Fuß – unsere Füße tragen uns durch das Leben. Sie sind perfekt konstruiert, über ihre Längswölbung das Körpergewicht abzufedern und sich in der Gehbewegung mit Schwung vom Boden abzudrücken. Ist der Fuß gesund, vergessen wir diese beeindruckende Konstruktionsleistung. Bei Fußfehlstellungen können allerdings schmerzhafte Beschwerden auftreten, die zu einer echten Beeinträchtigung werden.

Eine dieser Fehlstellungen ist der sogenannte „Plattfuß“. Rund 13-15% aller Erwachsenen sind betroffen, für 1-2% von ihnen sind deutliche Beschwerden die Folge.

Symptome: Wie äußert sich der Knick-Senk-Fuß für den Patienten?

Unter dem, was allgemein als Plattfuß benannt wird, werden unterschiedliche Fußfehlstellungen und Verformungen zusammengefasst. Die wichtigsten wollen wir Ihnen hier kurz vorstellen.

Oft liest man auch den Begriff des Knick-Senk-Fußes:
Der hintere Teil des Fußes, der Rückfuß knickt nach außen (Knickfuß). Dies verursacht eine Verschiebung der Ferse nach außen.
Die zweite Komponente ist das Absenken der Fußwölbung (Senkfuß). Der Fuß liegt dann innenseitig auf, was besonders deutlich wird, wenn man sich den betroffenen Fuß im Stand von innen anschaut.
Zudem besteht eine Abspreizung, d.h. der Fuß zeigt von oben betrachtet nach außen.

Der Plattfuß ist weit verbreitet, vom Kindes- bis zum Seniorenalter. Im Kleinkindesalter tritt der Knick-Senkfuß physiologisch auf. Aber die Fußlängswölbung des gesunden Fußes sollte sich dann bis zum Teenageralter normal ausbilden.

Mögliche Folgeschädigungen des Knick-Senk-Fußes:

  • Auftrittsschmerzen
  • Fersensporn
  • Beschwerden der Achillessehne
  • Deformation des Großzehengelenks (Hallux valgus) und der Kleinzehen
  • Fehlerhafte Gelenkbelastung bis hin zu Knorpelabnutzungen in den Gelenken (Arthrose)
  • Überlastung oder Reißen der Beuge-Sehne (sog. Tibialis-Posterior-Dysfunktion)

Ursachen für den Knick-Senk-Fuß

Es muss unterschieden werden zwischen der kindlichen Fuß-Fehlstellung und dem erworbenen Knick-Senk-Fuß bei Erwachsenen. Da sich die kindliche Fußwölbung, wie anfangs erwähnt, mit der Zeit von alleine aufrichtet, ist hier in der Regel keine Behandlung erforderlich. Es kann allerdings unterstützend eingewirkt werden, indem man dem Kind sportliche und Barfußaktivitäten ermöglicht, um den Muskel- und Halteapparat zu stärken. Wichtig ist es, die Wachstumsphase der Füße für Übungsreize und Training zu nutzen, denn nur in dieser Zeit lassen sich die Füße noch aufrichten.
Orthopädische Einlagen sollten nur gezielt zur Stützung der Fußgelenke eingesetzt werden, etwa bei schmerzhaften, ausgeprägten Knick-Senk-Füßen.

Anders verhält es sich, wenn knöcherne Fehlbildungen (Knochen- bzw. Gelenkreifung / Coalitio) im Fuß zu Entwicklungsstörungen führen. Werden diese nicht erkannt, können sie spätestens im Erwachsenenleben zu Beschwerden führen.

Ist die Wachstumsphase im jugendlichen und erwachsenen Alter abgeschlossen, ist der Knick-Senk-Fuße nicht mehr dauerhaft mit nichtoperativen Mitteln korrigierbar.

Der Knick-Senkfuß des Erwachsenen wird durch eine Reihe von möglichen äußeren Faktoren verursacht, neben der familiären Veranlagung, können sein:

1. Schädigungen des Knochens:

  • Fersenbein-Brüche
  • Erkrankungen des Knochens (etwa Knochennekrosen = Durchblutungsstörungen)

2. Schädigungen der Muskulatur / Sehnen:

  • Sehnenriss
  • Verschleiß im zunehmenden Alter
  • Muskelschwäche
  • Lähmungen / neurologische Erkrankungen

3. Schädigungen der Gelenke und Bänder:

  • Bänderschwäche (Bindegewebsschwäche) mit Instabilität im unteren Sprunggelenk
  • Bänderüberdehnung / Bandverletzungen
  • Gelenkverschleiß / Rheumatische Erkrankungen

Neben den äußeren Faktoren wie Überlastung durch Übergewicht oder häufiges, langes Stehen (etwa berufsbedingt) kann auch eine erbliche Veranlagung bestehen. Hier wird eine genetische Veranlagung zu schwächerem Bindegewebe und schwächeren Bändern vermutet.

Verlaufsstadien des Plattfußes

Die Ausprägung des Plattfußes wird in vier Verlaufsstadien eingeteilt. Manche Symptome ziehen sich durch alles Stadien – entscheidend ist für die Diagnose, wie weit fortgeschritten die Fehlstellung des Fußes ist. Das Stadium entscheidet über die angebrachten therapeutischen Maßnahmen.

Stadium 1:

Im 1. Stadium kann der Patient die Fußlängswölbung noch aktiv aufrichten, die Fußstellung ist noch im normalen Rahmen. Es liegt eine Sehnenreizung vor, die bis zur Sehnenscheidenentzündung oder beginnenden Sehnendegeneration führen kann.

Häufige Symptome im 1. Stadium:

  • Schmerzen am Rückfuß innenseitig
  • Schwellung unter dem Knöchel
  • Beginnende Muskelschwäche
  • Reduzierte Belastbarkeit

Stadium 2:

Im 2. Stadium setzt die Fehlstellung des Fußes ein. Die Anfälligkeit für Sehnenrisse steigt, die Muskelschwächung nimmt zu.

Häufige Symptome im 2. Stadium:

  • Zunehmende Schmerzen am Rückfuß innenseitig
  • Stärkere Schwellung unter dem Knöchel
  • Deutliche Muskelschwäche
  • Flexible Knickfußstellung
  • Endgradiger Spitzfuß
  • Instabilität

Stadium 3:

Im 3. Stadium liegt eine deutliche Fußfehlstellung vor. Der Rückfuß ist sichtbar nach außen geknickt, die Innenwölbung reduziert und der Mittel- / Vorfuß abgespreizt (nach außen gedreht).

Häufige Symptome im 3. Stadium:

  • Starke Schmerzen am Rückfuß innen- und außenseitig
  • Ausgeprägte Schwellung unter dem Knöchel
  • Kontrakte (fixierte) Knick-Senkfußstellung
  • Ausgeprägter Spitzfuß

Stadium 4:

Im 4. Stadium prägt sich die Fußfehlstellung weiter aus. Häufig wird dieses Stadium von einer Gelenkentzündung (sekundäre Arthrose) begleitet, die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt.

Häufige Symptome im 4. Stadium:

  • Globale Schmerzen im Sprunggelenk und Rückfuß bzw. der Fußwurzel
  • Massive Schwellung unter dem Knöchel
  • Völlig kontrakte Knick-Senkfuß-Abspreizstellung
  • Ausgeprägter Spitzfuß

Therapieoptionen bei Plattfuß

Die Therapieoptionen richten sich beim Plattfuß nach dem jeweiligen Verlaufsstadium. Zur Ermittlung des Stadiums untersuchen wir den Fuß liegend und stehend (unter Belastung) und prüfen die Funktionsfähigkeit. Weiteren Aufschluss gibt ein Röntgenbild unter Belastung des Fußes und ggf. sind Schnittbilduntersuchungen (CT / MRT o.Ä.) erforderlich.

Gerade in den ersten Stadien des Plattfußes können konservative, sprich nicht-operative Maßnahmen, wie orthopädische Einlagen und stärkende Übungen sowie Krankengymnastik wertvolle Unterstützung bieten.

Operative Therapiemaßnahmen in den Verlaufsstadien:

Stadium 1:

Nach ausgereizter konservativer Therapie, kann in der Anfangszeit oft eine Glättung, Reinigung der belasteten, gereizten Sehne (endoskopische Tenosynovektomie) Erleichterung bringen und dem Patienten helfen, das Fußgewölbe aufzurichten. Eine Alternative zum endoskopischen Eingriff ist in diesem Stadium die offene Sehnen-OP, die die Funktionalität der Sehne erhält.
Eine wichtige Maßnahme ist die Untersuchung der Stabilität und bei Instabilität eine operative Bandplastik. Hier wird das geschwächte Pfannenband wieder rekonstruiert. So wird einer weiteren Absenkung der Fußwölbung sowie der damit einhergehenden Fehlstellung entgegengewirkt.

Stadium 2:

In diesem Stadium sind bei der immer vorhandenen Instabilität eine Rekonstruktion des Bandapparates und der Muskel-Sehnenfunktion notwendig. Um die Funktionalität und aktive Aufrichtung zu ermöglichen, ist in diesem Stadium die Sehnen-Verlagerung (Transposition) meistens notwendig. Dabei wird eine benachbarte körpereigene Sehne in den Sehnenverlauf der Tibialis-posterior-Sehne (hintere Schienbeinbeugesehne) eingebracht, die für die aktive Stabilisierung und Aufrichtung der Fußlängswölbung mitverantwortlich ist.
Sehr häufig reichen aber die alleinigen Weichteilmaßnahmen nicht mehr aus und knöcherne Korrekturen sind zusätzlich notwendig. Diese Korrektur-Osteotomien sind gelenkerhaltende Operationsmaßnahmen, die die Funktion der Fußgelenke erhalten.

Im Fuß- und Sprunggelenkzentrum Berlin erfolgt in diesen Fällen eine von Dr. Boack entwickelte adjustive kombinierte Umstellung, die einen individuell einstellbaren Rhise-Faktor enthält und damit zusätzlich den stabilisierenden Effekt des Bandeingriffes verstärkt.

Stadium 3:

Bei einer deutlichen Fehlstellung im 3. Stadium sind ebenfalls die speziell entwickelten gelenkerhaltenden Knochenkorrekturen (Korrektur-Osteotomien) des 2. Stadiums als biomechanische Therapiemaßnahme zwingend erforderlich, um die Fehlstellungen zu korrigieren.
Bei ausgeprägter Instabilität und / oder erheblicher Kontraktur (Weichteilvernarbung) sowie fehlender Muskelsehnen-Rekonstruktionsfähigkeit (z.B. bei rheumatischen Grunderkrankungen) kann die Versteifung (Arthrodese) eines Gelenks notwendig sein, um ein nachhaltiges Ergebnis zu erreichen. Damit wird die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks aber vollständig erhalten. Zudem kann durch eine von Dr. Boack entwickelte selektiv-adaptierte Facettenfusion in Kombination mit einer gelenkerhaltenden Umstellung so ein guter stabilisierender Effekt erreicht werden, dass die Funktion des Fußes insgesamt nicht merkbar beeinträchtigt wird.

Stadium 4:

Kommt es im 4. Stadium zu einer sekundären Arthrose in den Fußgelenken, ist neben den gelenkserhaltenden Knochenkorrekturen (Korrektur-Osteotomien) (s. Stadium 2. und 3.) auch die Versteifung der betroffenen Gelenkfacetten erforderlich, um eine gute Stellung und schmerzfreie Funktion des Beines / des Fußes zu ermöglichen.

Gelenkversteifungen gehören zu den wichtigsten Eingriffen der Fuß und Sprunggelenk-Chirugie. An Fuß und Sprunggelenk finden sich 26 verschiedene Gelenke. Die individuell-adaptierte Technik im Fuß- und Sprunggelenk Zentrum Berlin kann durch die gezielt eingesetzte selektive Versteifung nur einzelner Facetten zu einer deutlichen Stabilität, guten Stellung und durch die Schmerzbefreiung zu einer Verbesserung der Funktionalität des Fußes / Beines insgesamt führen, solange das obere Sprunggelenk erhalten wird.

Bei Beteiligung auch des oberen Sprunggelenks empfehlen wir in diesem Verlaufsstadium meist keine komplette Versteifung, sondern den gezielten Einsatz einer OSG-Endoprothese. Damit kann eine Überlastung der Nachbargelenke vermieden und ein weitestgehend natürlicher Bewegungsablauf ermöglicht werden.

Mit über 1200 eigenen OSG-Endoprothesen-Implantationen gehört Dr. Boack weltweit zu den erfahrensten Operateuren.