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Spitzfuß: Wenn die Ferse nicht aufgesetzt werden kann

Beim Spitzfuß handelt es sich um eine Fußfehlstellung, bei der sich aus angeborenen oder erworbenen Gründen beim Gehen und Stehen nicht der komplette Fuß aufsetzen lässt. Lateinisch wird der Spitzfuß auch als “Pes equinus” bezeichnet, was zu Deutsch “Pferdefuß” bedeutet. Diese Bezeichnung geht darauf zurück, dass Pferde, wie die meisten vierfüßig laufenden Tiere, nicht die komplette Fußsohle aufsetzen, sondern lediglich den Vorderfuß. Für Menschen, die nur auf zwei Beinen gehen, kann diese Fehlstellung allerdings in mehrfacher Hinsicht problematisch sein und unangenehme Folgeschäden nach sich ziehen.

Symptome, Ursachen und Therapie bei der Diagnose “Spitzfuß”

Wer einen Spitzfuß hat, kann die Ferse beim Gehen oder Stehen nicht auf den Boden aufsetzen. Diese Fußfehlstellung kann sowohl angeboren als auch erworben sein. Bei der Therapieform wird die Schwere die Ursache der Entstehung, die Schwere der Ausprägung und eventuelle Begleitschäden an anderen Gelenken vom Fußspezialisten berücksichtigt.

Symptome

Einfach ausgedrückt, liegt bei der Spitzfußstellung eine Einschränkung der Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks vor, wodurch das Heben und Senken des Fußes nicht korrekt ausgeführt werden können. Für Betroffene äußert sich diese Einschränkung dadurch, dass sie den Fuß nicht richtig aufsetzen können. Sie gehen auf den Fußballen (bzw. auf “Zehenspitzen”) ein Abrollen des Fußes beim Gehen ist nicht möglich, ebenso wenig das Anziehen des Fußes an den Körper (sog. Dorsalextension). Durch das so beeinträchtigte Gangbild lagert das gesamte Körpergewicht auf dem Vorderfuß, eine Fehlbelastung, für die der menschliche Fuß und Bewegungsapparat nicht geschaffen sind.
Die Fehlstellung kann zu Gleichgewichtsschwierigkeiten führen oder weitere Fußfehlstellungen, wie den Knick-Senkfuß begünstigen. Davon muß der isolierte Vorfußspitzfuß (Cavus anterior), der bei Ballen-Hohlfuß-Fehlstellungen vorkommt abgegrenzt werden, da bei diesen Deformitäten die Ferse gegensätzlich steht. Wird der Spitzfuß nicht rechtzeitig behandelt, können negative Folgen für andere Gelenke (Knie, Sprunggelenk, Fußwurzel) entstehen, die wiederum Langzeitschäden für das ganze Skelettsystem nach sich ziehen können.

Ursachen

Die Ursachen für einen Spitzfuß können vielfältig sein. Sowohl zu viel Muskelspannung in der Wadenmuskulatur als auch zu wenig Muskelspannung in der vorderen Unterschenkelstreckmuskulatur sind möglich. Ebenso eine Verkürzung der Achillessehne (meist eine muskuläre Verkürzung) oder eine Nervenschädigung. Ein Fußspezialist wird genaue Untersuchungen anstellen, um so eine sichere Diagnose als Grundlage des nachfolgenden Behandlungsplanes stellen zu können. Die Spitzfuß-Fehlstellung kann angeboren oder erworben sein.

Angeboren tritt sie z.B. auf,

  • wenn der Unterschenkelknochen oder die Achillessehne / Wadenmuskulatur nicht ausreichend entwickelt sind,
  • kombiniert bei angeborenen Klumpfüßen.

In diesen Fällen ist eine konservative Behandlung i.d.R. alleine nicht ausreichend, da häufig auch eine Muskelschädigung vorliegt. Die Chancen auf Korrektur der Fehlstellung stehen mittels eines operativen Eingriffs im frühen Kindesalter aber gut.

Für den späteren Erwerb eines Spitzfußes kann es unterschiedliche Gründe geben. Zum Beispiel:

  • Erkrankungen des Nervensystems, wodurch es zu einer schlechteren Versorgung der Muskulatur durch das Nervensystem kommt (so auch bei Lähmungen, z.B. in Folge eines Schlaganfalls)
  • Unfallbedingte Schädigung des Nervs für den großen Wadenmuskel (Nervus ischiadikus / Nervus peronaeus)
  • Unfälle oder Verletzungen der Muskulatur (Kompartmentsyndrom)
  • knöcherne Veränderungen im Sprunggelenk (z.B. durch Sprungelenksarthrose)

Häufig vom Spitzfuß betroffen sind bettlägerige, ältere Menschen. Durch das Liegen im Bett werden die Füße nicht mehr ausreichend belastet, die Muskeln verkümmern und können sich verkürzen. Die aufliegende Bettdecke kann die Spitzfußhaltung weiter begünstigen. Um diesem vorzubeugen, kann ein Fußbrett am Bett angebracht werden, das die Füße abstützt und dadurch die Spitzfußhaltung verhindert.

Unterschiedliche Formen der Fehlstellung:

Der Facharzt unterscheidet zwischen:

  • habituellem Spitzfuß: “gewohnheitsmäßiger Spitzfuß”, z.B. durch eine verlängerte Anfangsphase des Laufens (Zehenspitzengang) bei Kleinkindern. Diese Form bildet sich mit steigendem Körpergewicht i.d.R. von allein zurück, aber auch sonst sind die Prognosen mit konservativen Therapiemöglichkeiten sehr gut.
  • funktioneller Spitzfuß: Die Fehlstellung ist nur beim Gehen oder Stehen vorhanden, die Wadenmuskulatur ist nicht irreversibel verkürzt (z.B.: Spitzfuß zum Ausgleich einer unterschiedlichen Beinlänge).
  • strukturell fixierter Spitzfuß: Die Wadenmuskulatur ist so stark verkürzt, dass dies nicht mehr ausgeglichen werden kann (z.B.: nach Unfall, spastischer Muskelaktivität, Narben). Hier ist i.d.R. ein operativer Eingriff zur Korrektur der Fehlstellung nötig.

Therapiemöglichkeiten

Spitzfuß-Fehlstellungen sollten immer behandelt werden, um Folgeschäden in anderen Gelenken zu verhindern. Je nach Ursache und Form können konservative oder operative Behandlungen möglich sein.

Konservativ kann i.d.R. nur behandelt werden, wenn die Wadenmuskulatur nicht irreversibel verkürzt ist. Hier kann z.B. Krankengymnastik Anwendung finden, die mit unterschiedlichen Dehnungsübungen über einen gewissen Zeitraum hinweg den Fuß zurück in die richtige Position bringt. Auch ein Unterschenkel-Stehgips kann infrage kommen.

Der Ablauf der operativen Behandlung richtet sich nach dem Alter des Patienten. Bei Muskel-Sehnen-Verkürzung des Wadenmuskels wird die Achilles-Sehne oder die Wadenmuskulatur im Rahmen einer OP verlängert und anschließend mit einem Gipsverband und einer sog. Nachschiene stabilisiert.
Bei den anderen Ursachen (s.o.) trifft der Arzt nach einer eingehenden Diagnose die Entscheidung für ein kombiniertes Vorgehen. Bei starker Abnutzung des Gelenkknorpels im oberen Sprunggelenk kann z.B. eine Arthrodese (also die Versteifung des Sprunggelenks) vorgenommen oder besser eine Sprunggelenksprothese (künstliches oberes Sprunggelenk) eingesetzt werden, um die Funktion wieder herzustellen. Je nach Ursache kann auch eine Umstellungsosteotomie im Sprunggelenk sinnvoll sein.